Lieblingsstücke

An dieser Stelle erzählen Mitglieder des Förderkreises, Mitarbeiter*innen oder interessierte Besucher*innen des Museums von ihren ganz persönlichen Lieblingsstücken und besonderen Momenten. Vielleicht teilen auch Sie mit uns Ihren ganz persönlichen Eindruck auf Augen und Ohren, denn der Zauber der Märchen wirkt auf jeden von uns anders!
 

Der Mann, der eigentlich seine Bibliothek ordnen wollte …

 
Das Lieblingsstück von Katharina Birjukow: Ich war auf dem Weg in die Museumsbibliothek. Ich wusste noch nicht was mich dort erwartet, ich war zum ersten Mal auf dem Weg dorthin… Die recht schmale Holztreppe knarrte unter meinen Füßen, das Dach kam durch die Schräge immer näher, ich guckte mich ganz vorsichtig um, ich wollte mir nicht den Kopf stoßen, und dann sah ich es, und ich konnte mich nicht beherrschen, ich habe laut losgelacht!

Da hängt ein Bild an der Wand, ein, auf den ersten Blick eher unscheinbares, eher graues Bild. Es zeigt einen Mann, der eigentlich seine Bibliothek ordnen wollte
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Also das Bild heißt so. Zeigen tut es einen Raum voller Bücher. Die Bücher sind überall: auf der Ottomane, auf dem Boden, ein Teil sogar noch in den Regalen, aber die meisten sind im Raum verteilt. Die liegen aufgeschlagen schräg und quer und übereinander und auf dem einzigen freien Fleckchen im Raum sitzt der Mann. Er hat ein Buch in der Hand und ist so tief in die Lektüre versunken, dass er die Welt um sich herum vergessen hat.

Ich behaupte, die Aufräumaktion ist total nach hinten losgegangen! Ich kann es deswegen mit so viel Sicherheit behaupten, weil ich selbst bereits so oft in dieser Situation gesteckt habe.

Und deswegen habe ich spontan lachen müssen, als ich das Bild zum ersten Mal sah. Und deswegen lächle ich jedes Mal, wenn ich auf dem Weg in die Bibliothek daran vorbei gehe. Und deswegen ist das Bild eins meiner Lieblingsstücke im Märchenmuseum.

Katharina Birjukow ist seit Februar 2019 Mitglied im Erzählkreis am Märchenmuseum und taucht zurzeit in die wunderbare Märchenwelt hinein. Das Märchenmuseum mit seiner Bibliothek ist der idealer Ort dafür.



 

Die Märchenuhr

 
Das Lieblingsstück von Dr. Hanna Dose: 2006 rief mich eine Dame aus München an und erzählte mir, in den 1970er Jahren hätte ein Ehepaar aus Bad Oeynhausen, dessen Namen ihr entfallen wäre, ihr privates Spielzeugmuseum besucht und erklärt, wenn sie ihr Museum einmal auflösen würde, wäre die Schneewittchen-Uhr etwas für das Märchenmuseum in Bad Oeynhausen.

Nun wäre sie alt, das zusammen mit ihrem Mann aufgebaute Spielzeugmuseum sei längst aufgelöst, die Uhr aber hätte sie noch und würde sie nun gerne dem Märchenmuseum schenken. Ich habe mit Freuden zugesagt und sehe die Uhr dank dieser Vorgeschichte und Großzügigkeit der Schenkgeberin als eins meiner ausgesprochenen Lieblingsstücke an.

Die Uhr zeigt Schneewittchen und die sieben Zwerge im Wald. Die Uhr ist ein Unikat unbestimmter Herkunft und Datierung. Das Sammlerehepaar hat sie selber im Kunsthandel erworben. In einen Holzkasten aus den 1930er Jahren (?) sind 7 Uhrwerke eingebaut, die unterschiedliche Figuren bewegen: die fünf arbeitenden Zwerge beim Holzhacken und am Amboss für die Glockenschläge zur viertel-, halben- und vollen Stunde, eine Hexe am rechten Holzstapel, einen hoppelnden Hasen vorne im Bild und das Schneewittchen links hinter dem Haus immer zur vollen Stunde. Zwei Zwerge sitzen – auf dem Foto unsichtbar – auf dem Uhrpendel, das hinter dem Amboss hin und her schwingt. Das Zifferblatt stammt von einer Wiener Uhr um 1880. Inv.-Nr.: M 2006/446.

Dr. Hanna Dose leitet seit 1993 die Städtischen Museen Bad Oeynhausen und damit auch die Geschicke des Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseums. Es gehört zu ihren schönsten Stunden, wenn sie mit den Sammlungsbeständen arbeiten kann. Mit vielen Objekten verbindet sie wunderbare Erinnerungen an den Kontakt mit deren Vorbesitzer/innen.



 

Das Stollwerk-Sammelalbum

 
Das Lieblingsstück von Hermann Haddenhorst: Die Kölner Schokoladenfabrik Gebr. Stollwerk AG legte seit Ende des 19. Jahrhunderts ihren Erzeugnissen Sammelbilder bei und gab Sammelalben heraus.

Die Stollwerk-Bilder, gestaltet von namhaften Künstlern, deckten ein breites Themenspektrum ab: von den Uniformen der Armee Friedrichs des Großen bis zu den „Märchen aus aller Welt“.

In der Sammlung des Märchen- und Wesersagenmuseums Bad Oeynhausen befindet sich ein Stollwerck-Märchen-Album aus dem Jahre 1906. Es ist eine Schatztruhe, die zauberhafte Märchengraphikenminiature enthält – gerade 110 Jahre alt geworden – und nicht zuletzt deshalb „Mein Lieblingsstück“.

Hermann Haddenhorst ist Förderkreismitglied der ersten Stunde, war viele Jahre dessen Vorsitzender und ist seit 2015 Ehrenmitglied des Förderkreises. Er interessiert sich für Kunst aus unterschiedlichen Epochen und stellt einmal im Jahr zusammen mit der Bibliotheksbetreuerin Sylvia Stepanek besondere Bücher aus der Bibliothek vor.



 

East o ́ the Sun & West o ́ the Moon

 
Das Lieblingsstück von Ute Wernecke: Eigentlich suchte ich nach etwas anderem in der Museumsbibliothek. Aber dann fiel mir dieser Titel ins Auge, East o ́ the Sun &West o ́ the Moon, weil er mich an etwas erinnerte.

Ich las das norwegische Märchen stehend vor dem Regal: Eine Roadstory, darin ein Mädchen, das den Spuren ihres verwunschenen Prinzen folgt bis zu einem geheimnisvollen Ort, um ihn zu erlösen.

Die Musik dazu stellte sich in meinem Kopf ganz von selbst ein. Wieder zu Hause war der erste Griff der in die Kiste mit lange nicht gespielten CDs. Gesucht, gefunden, eingelegt, aufgedreht: „Through the fire and rain, through the wilderness and pain ... I call your name“. Und so bekamen für mich das Märchen einen Soundtrack, der Prinz ein Gesicht und mein alter Lieblingssong eine Landschaft und eine Geschichte.

Ute Wernecke, Vorstandsmitglied des Förderkreises, wurde durch die Sammlung von 59 norwegischen Volksmärchen East o ́ the Sun & West o ́ the Moon an die gleichnamige CD der norwegischen Popgruppe A-Ha erinnert – die tatsächlich nichts miteinander zu tun haben.